Mein Hund ist kein Wolf

Die DNA von Hund und Wolf gleicht sich zu 99% – wie beim Menschen und dem Schimpansen. Aber vergleicht man deshalb den Menschen ständig mit dem Affen?

Ein Zitat, das ich neulich gelesen habe und mich nun dazu anregt, meine Gedanken über das Zusammenleben mit Hunden zu schreiben. Über Regeln und Freiheiten, unnötiges Dominanzgehabe, fragliche Trainingsmethoden und seltsame Vergleiche!

Mich persönlich schrecken so manche Methoden, die man in seinem Leben als Hundehalter sieht…

Der Hund, seit Jahrhunderten domestiziert, ist eben kein Wolf mehr. Warum also ständig diese Vergleiche? Ein Wolf macht dieses, ein Wolf macht jenes.

Mir persönlich gefallen diese Methoden, die das Verhalten eines Wolfs nachahmen sollen, so überhaupt nicht. Da wird am Fell gezogen, in Weichteile ge“knufft“ und unterworfen, fragliche Schnauzengriffe ausgeübt und überhaupt, ein Hund darf scheinbar gar nichts mehr, ohne vorher zu „fragen“. Ich habe auch das Gefühl, ein Hund darf nicht einmal mehr aus eigenem Instinkt agieren. Da werden 15 Hunde auf kleinsten Raum zusammengepfercht (man nennt es auch Hundeschule *hust*) und wenn ein Hund dann mal durch knurren äußert, er findet das gerade nicht so pralle, dass dieser andere Hund ihm so dicht auf die Pelle rückt, während er stramm an der Leine gehalten wird dann gibts auch sofort einen Rüffel (der sich zum Teil gewaschen hat)

Ehrlich gesagt frage ich mich sogar, ob das im Wolfsrudel wirklich so abläuft… Oder ob der Mensch einfach das Bedürfnis nach Macht und Kontrolle an seinem treusten und loyalsten Freund, dem Hund, auslebt…

Warum müssen Hunde überhaupt in großen Gruppen von ihm fremden Hunden laufen? Warum muss jeder Hund jeden anderen Hund akzeptieren? Warum ist es so verrufen, wenn man einen Hund hat, der andere ankeift, der keinen Bock auf Sozialkontakte hat? Warum muss in unsere Gesellschaft jeder Hund jeden Hund Labbigeil finden? Warum darf ein Hund nicht durch knurren oder Mimik zeigen, dass sich der andere Hund gefälligst schleichen soll? Muss ein Hund in der heutigen Zeit einfach nur noch funktionieren, wie es uns am besten passt, es am einfachsten für uns Besitzer ist?

Witzigerweise hat es sich in der Hinsicht dann ja wieder vollkommen ausgewolft… Beim Thema Hundekontakte… Da heißt es seltsamerweise nie, dass ein Wolfsrudel andere Rudel auch nicht witzig findet. Mit einem Hunderudel, welches es ziemlich scheiße findet, wenn ein „Tutnix“ auf sie zukommt, wird man blöde angeguggt wenn die Terror schlagen, dann hat man unsoziale und unerzogene Hunde. Da kommt plötzlich niemand mit einer Wolfstheorie um die Ecke.

Ich möchte jedenfalls nicht behaupten, ein Hund brauche keinerlei Regeln. Aber manch ein Hundehalter, und irgendwie kenne ich viele davon, übertreibt es einfach m.M. nach und schränkt seinen Hund vollkommen in seiner persönlichen Individualität ein. Der Hund kann sich doch gar nicht entfalten und am Ende steht er dumm da, wenn er gezwungen ist, im Notfall eine eigene Entscheidung zu treffen. Wir nehmen dem Hund sogar das Denken ab…

Nun mag sich der ein oder andere vielleicht denken, als Halter eines Italienischen Windspiels habe ich leicht reden. Ein kleiner, leichter Hund, der sich im Ernstfall ganz anders händeln lässt. Das mag sein.

Andereseits leben hier insgesamt 4 Hunde. Und alle werden auf die gleiche Art und Weise behandelt und alles sind grundverschiedene Charaktere… Und trotzdem sind unsere Hunde toll, bei keinem hat man das Gefühl, er würde ständig seinen Platz im „Rudel“ in Frage stellen. Und das alles ganz ohne feste Regeln.

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Im Bett schlafen ist hier ausdrücklich erwünscht!

Unsere Hunde dürfen vor uns die Tür verlassen (was in überschwenglicher Vorfreude vielleicht zum Teil sehr chaotisch aussieht), sie dürfen fressen, sobald der Napf am Boden steht, sie dürfen auf Sofas und Betten schlafen (und es wird auch keiner weggeschickt, wenn für den Mensch kein Platz ist. Man sortiert sich schon irgendwie) und sie dürfen auch beim Gassi mal an der Leine ziehen, schnüffeln und sie dürfen sogar kacken, wenn ihnen danach ist… (Unglaublicherweise gibt es Menschen, bei denen sogar der Hund das nicht darf, wann er will)

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Ja, v.a. die Hunde der Familie, die mit der Nase auf den Tisch kommen, dürfen sogar NACH dem Essen hier und da was vom Teller „klauen“… (kurze Anekdote: Ashley fand es immer extraklasse, wenn sie alte Semmeln klauen konnte. Ab und zu ließen wir ihr dann das Vergnügen und haben die Tüten EXTRA liegen lassen damit sie sich die Semmeln von der Küchenplatte klauen konnte und dann genüßlich wegfressen konnte 😉 )

Die Hunde wissen trotz allem genau, was eben nicht geht… Kein Hund auf Tisch und Arbeitsplatte z.b 😉

Während des Essens bleibt die Nase auch bitte weg vom Tisch und kein Kläffen zwischen 22 und 6 Uhr…  Katzen jagen ist ebenfalls scheiße… Aber das wars dann eigentlich auch schon an Regeln…

Unsere Hunde schlafen wo sie wollen, fressen wann sie wollen und gehen, wohin sie wollen…

Erzogen werden sie mit Verständnis, Rücksichtnahme, Vertrauen und ganz viel Liebe.

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Zurück bekommen wir vielleicht ein etwas chaotischeres Zusammenleben, aber auch ein witziges, abwechslungsreiches und erfüllendes. Und mind. genau so viel Liebe und Treue, Dankbarkeit und das Gefühl, mit seinem Hund auf einer gemeinsamen Linie zu leben, ein Geben und Nehmen. Vertrauen. Kein sinnloses dominieren und kommandieren! Und so werden sogar schon die Kleinsten in der Familie akzeptiert!

FREUNDSCHAFT!

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Aber wahrscheinlich haben wir einfach nur die perfekten Hunde für unsere Lebensstil gefunden. Vielleicht liegt es daran, dass Windhunde einfach ein bisschen mehr wie Katzen sind. Und ich werde euch auch nie erzählen können, ob unser (v)erziehungsstil auch mit anderen Hunderassen funktioniert, weil uns nie eine andere Rasse ins Haus kommen wird…

Und vielleicht liegt es auch daran, dass ich im Herzen eher der Katzenmensch bin und gar nicht anders kann, als mit meinen Hund so zusammen zu leben wie ich es mit Katzen tue. Mit dem einen Unterschied, dass meine Katzen noch wesentlich mehr Freiheiten haben.

Aber das Gefühl, von einem so freiheitsliebenden und eigensinnigen Tier, wie einer Katze, trotzdem geliebt und geschätzt zu werden. Das ist einfach unbeschreiblich! Und vielleicht hat mich dieses Gefühl eben viel gelehrt im Umgang mit meinen Hunden!

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Freigeist Theo auf dem Dach

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Zufriedenheit und Glück erfährt man erst durch Vertrauen

 

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3 Antworten zu “Mein Hund ist kein Wolf

  1. Oooooh Danke für den Post!

    Ich unterschreibe das so komplett und es sind genau meine Gedanken *.*
    Hier wird es genau so gehalten. Erst schütteln die Leute ihren Kopf, weil es nach außen hin ein bisschen chaotisch wirkt, aber die meisten beneiden uns dann irgendwann um unser friedliches, intensives, harmonisches und freundliches Zusammenleben.

    Ich rede mit meinen Hunden in ganzen Sätzen, weil ich weiß, dass sie das verstehen. Würden sie es nicht, würden sie es nicht „anwenden“, und die Grundhaltung, Ausstrahlung und Betonung ist einfach eine andere, respektvollere, wenn man in Sätzen spricht, als wenn man Befehle blafft.

    Meine Hunde werden viel gelobt, für Sachen, die sie richtig machen. In der BH-Prüfung wurde ich von der Richterin ermahnt „Versetzen Sie den Hund in die nächste Klasse!“ und ich habe es nicht verstanden. Tja. Ich habe Rose gelobt, dafür, dass sie zu der Richterin freundlich war, dass sie sie fröhlich anspringen wollte und sich aber zusammengerissen hat, und dafür, dass sie diese ungewohnte Situation gemeistert hat. Der Richterin war das zu viel Lob für zu viel Selbstverständliches, aber in einer Welt, in der so viel von Hunden verlangt wird „von außen“, sehe ich nicht viel Selbstverständliches, sondern großartige Leistungen von einer Spezies, die sich anzupassen und einzugliedern weiß, in eine Welt, die sie nicht versteht.

    Meine Hunde dürfen essen, wann und so viel sie wollen. Das Thema hatten wir ja schon, und ich bin froh, dass meine Hunde mit Futter nicht erpressbar, wohl aber bestechlich sind und dass wertige Leckerlies immer noch als Zahlungsmittel anerkannt sind bei ihnen.

    Ich könnte nicht mal aufzählen, wo meine Hunde sich für das „allgemeine Hundehalterverständnis“ *schlecht* benehmen.

    Wir haben ein sehr, sehr respektvolles Miteinander und bezeichnenderweise findet Besuch meine Hunde und unsere „Regeln“ toll, und es fällt den meisten leicht, sich daran zu halten. Bei den eigenen Hunden würden sie nie so agieren, aus Angst, dass sie sich unberechenbare, unkontrollierte, unerzogene Monster heranziehen, aber gleichzeitig haben sie Spaß, meine Hunde nach unseren Maßstäben zu behandeln und zu sehen, dass sie fröhlich und offen sind.

    Es gehört Mut dazu, gegen den Strom zu schwimmen, finde ich. Besonders, wenn man sich nicht ständig erklären will und GANZ besonders, wenn man plötzlich „in anderen Kreisen“ dasteht und man mit verwirrten, schlechtestenfalls bösen Blicken und Worten konfrontiert wird.

    Ich habe nun schon die ein oder andere Bekanntschaft gemacht mit Leuten, die ihre Hunde genau so behandeln, und die nach den gleichen Regeln leben. Diese Hunde sind bei weitem toleranter, freundlicher, zuverlässiger und berechenbarer als die „aus der anderen Richtung“. Es ist unendlich entspannend, wenn die Hunde auf diese Weise gleicht „funktionieren“, und ich kann Dir sagen: das geht mit jeder Rasse.

    Eventuell braucht es individuelle Anpassungen der Freiheiten (schön gesagt, gell?), meine Chinas haben sehr viel mehr Interpretationsspielraum, als mein Terrier, und der Schäferhund meiner Freundin darf sich nicht so „gehen lassen“, wie Lieschen oder der Chihuahua, aber es spricht nichts, gar nichts, gegen einen respektvollen und achtsamen Umgang mit seinen Mit-Lebewesen, und auch Regeln und Grenzen kann man ja „so und so“ vermitteln.

    Oh, kleiner Nachtrag noch:
    Ich bin ja momentan etwas aktiver im Hundesport, und ich freue mich sehr, dass ich Turniere für einen Verein starten (und dort auch trainieren) darf, wo man zum Einen nur auf persönliche Empfehlung aufgenommen wird, wenn ein anderes Mitglied dafür bürgt, dass man fair, sportlich und respektvoll mit seinem Teampartner Hund umgeht, und zum Anderen muss man das ebenso vor Eintritt unterschreiben. Wer sich nicht dran hält fliegt raus.
    Das Training ist von einer GANZ anderen Qualität und die Stimmung mit den Hunden ist unvergleichlich schön. Sie sind sicher und sie haben Spaß, es gibt keine „Fehler“ und niemand muss „korrigiert“ werden. Ich habe mich lange nicht mehr so wohl gefühlt.

  2. Liebe Ann Kathrin. Danke für diesen Kommentar 😙
    Heute morgen hab ich den Beitrag Revue passieren lassen und hab mir gedachr, ob das jetzt richtig war das zu veröffentlichen… aber du hast mich nochmal bestärkt. Und dein Umgang mir deinem Hunden ist sowieso ganz wundervoll und ich bin sehr froh, euch kennen gelernt zu haben!

  3. Ein sehr gelungener Artikel. Den Selbstoptimierungswahn, der zurzeit umgeht, scheinen manche Menschen auch auf ihre Hunde übertragen zu wollen, und das geht wirklich ein bisschen zu weit. Besonders klasse finde ich die Frage: „Warum muss in unsere Gesellschaft jeder Hund jeden Hund Labbigeil finden?“ LG, Andy

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